Wie führe ich besser?

Wenn Du besser führen möchtest, dann führe Dich gut. Dafür musst Du gut mit Dir und Deinen Emotionen, Dämonen und Gedanken umgehen können und solltest Dich gut kennen. Du wirst andere immer so führen, wie du auch dich führst.

Mit Anfang 20 war ich mit einer Gruppe während eines Skiurlaubs gerade auf dem Gipfel, als sich plötzlich die Wetterbedingungen änderten und wir von einer Minute auf die nächste keinen halben Meter mehr vor uns erkennen konnten. Der Schnee peitschte uns ins Gesicht und die Lichtverhältnisse ließen kaum erkennen, in welche Richtung wir gerade fahren. Selbst die guten Skifahrer unter uns wurden hektisch und panisch und auch ich war tief im Inneren besorgt und ängstlich. Ich weiß von mir, dass ich eher ein ängstlicher Typ bin und ich weiß auch, wie wichtig und beruhigend es ist, in Extremsituation die Ruhe zu bewahren und Sicherheit auszustrahlen. Und ich bin eine sehr gute Skifahrerin. Das hat mir in diesem Moment Sicherheit gegeben. Mit lauter und klarer und dennoch ruhiger Stimme habe ich die Gruppe eine Kette bilden lassen und wir sind den Vordermann immer im Blick per Schneeflug ins Thal gerutscht. Das war ein Ereignis, über das ich noch viel nachgedacht habe und das mir in vielen weiteren Situationen geholfen hat. Damals habe ich trotz meiner eigenen Ängste die Verantwortung übernommen. Ich wusste, was in dieser Situation zu tun war und ich konnte auf meine Fähigkeiten vertrauen. Dieses Vertrauen haben auch die anderen gespürt und haben mir vertraut.

Warum bist Du so, wie Du bist? Welche Themen lösen starke Emotionen in Dir aus? Was hilft Dir dabei, damit umzugehen? Welche Ansichten hast Du im Leben? Welche Werte? Was ist Dir wichtig? Wie möchtest Du leben und wie möchtest Du Beziehungen leben? Das sind Fragen, die Dir helfen, Dich besser kennenzulernen. Wenn Du dein authentisches Ich kennst und lebst, kannst Du auch anfangen, gut zu führen. Dann strahlst Du aus, was andere anzieht und suchen. Sie suchen einen Weg und wenn Du den Weg kennst und Dich bereits in Position gebracht hast, kannst Du auch sie in Position bringen. Du gibst immer Deine eigenen Überzeugungen und Emotionen weiter. Wenn Du also positiv bist und an Dich glaubst, dann glaubst Du auch, dass die anderen Ihre Träume und Ziele verwirklichen können. Alles ist eine Reflexion, ein Spiegel von Dir.

In dem Moment auf dem Berg, habe ich an mich geglaubt. Bei all meiner Verletzlichkeit in dieser Situation, wusste ich wer ich bin und was ich kann. Das hat mich in die Situation versetzt, die anderen sicher den Berg runterzubringen. Auf diese Erfahrung hin habe ich mich später noch oft überprüft und danach gehandelt.

Bei Führung denken wir immer schnell an den Arbeitskontext. Dort wird auch viel mit dem Wort gearbeitet. Tatsächlich gibt es Führung aber in allen Bereichen des Lebens und das tagtäglich. Ob Eltern Ihre Kinder anleiten, der Partner in einer kniffligen Situation die Führung übernimmt, wir unsere Haustiere erziehen oder wir uns eben zuerst selbst führen lernen.

Es gibt noch ein paar andere Dinge, die uns bei guter Führung unterstützen. Als wir in dem Schneechaos auf dem Berg standen, gingen es nicht um einzelne Interessen, sondern darum, als Gruppe wieder heile einen Weg ins Tal zu finden. Wenn wir in dem Glauben handeln, Teil eines größeren zu sein, dass über unsere eigenen Interessen hinaus geht, dann spiegelt unsere Energie, unser Handeln und unsere Worte auch die Überzeugungskraft aus, die es braucht, Sicherheit und Gewissheit zu erzeugen. Mit der Gewissheit, dass ich die Gruppe führen kann, habe ich uns dann ganz langsam und skifahrerisch betrachtet mit einer absoluten Anfängertechnik den Berg runter gekurvt. Entscheidend, dass wir das so gut überstanden haben, war eben diese größtmögliche Vereinfachung. Jetzt ging es nicht mehr um die perfekte Technik oder die tolle Route ins Tal. Dem Leben wohnt Komplexität inne. Deshalb versuche grundsätzlich, klar und knapp zu kommunizieren und Pläne simpel zu gestalten. Ein Schritt vor den nächsten setzen, um den ganzen Weg zu meistern. Versteht es Dein Team nicht, dann vereinfache und reduziere weiter. Setze klare Prioritäten und versuche nicht, alle Themen gleichzeitig bearbeiten zu wollen. Es gibt auch nie die eine richtige Lösung. Behalte die Flexibilität, Pläne auch wieder zu ändern oder einen anderen Weg auszuprobieren.

Führen ist auch immer Teamwork. Für ein gutes Vorankommen sollten alle Personen an dem gleichen Strang ziehen und sich gegenseitig unterstützen. Dafür ist es auch wichtig, ein warum zu erklären. Erst wenn alle verstehen und davon überzeugt sind, kann die Aufgabe erfolgreich angegangen werden. In jeder Konstellation gibt es jemanden, der gut in etwas ist. Eine Führungskraft sollte bereit sein zu folgen. Wenn ich ein Projekt habe, dann stelle ich mir gerne ein Team aus Expert*innen zusammen, die in den jeweiligen Bereichen über eine tiefere Expertise verfügen als ich. Mein kleiner Sohn verfügt über weitaus bessere handwerkliche Fähigkeiten als ich. Für mich macht es selbst in einer Führungsrolle keinen Sinn, die „Beste“ sein zu wollen oder keine Ratschläge anzunehmen. Glücklicherweise habe ich da mein Ego gut im Griff und weiß, an welcher Stelle ich die Fäden gut zusammenbringen und Verantwortung übernehmen oder eben auch abgeben kann.

Es ist einfach, die eigenen schlechten Leistungen auf Pech oder äußere Umstände zurückzuführen – auf alles außer uns selbst. Wenn Du in Führung gehst, liegt die Verantwortung für Erfolg und Misserfolg radikal bei Dir selbst. Wenn wir als Chefin, Mutter oder Freundin mit gutem Beispiel voran gehen, ein Vorbild für Integrität und Engagement sind, überträgt sich das auf jede Ebene und erzeugt eine leistungsstarke Einheit.

CATEGORIES:

High Performer

No responses yet

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Latest Comments

Es sind keine Kommentare vorhanden.